Die Geschichte des Dorfes Himmighofen.

Für die 750-Jahrfeier am 17. und 18. Juni 2000 der Gemeinde Himmighofen sollte eigentlich die Ortschronik fertiggestellt werden.

Im Juni 2000 feierte Himmighofen mit Stolz sein 750 jähriges Bestehen.

Wie der Strukturwandel in den vergangenen hunderte Jahre bis hin zur neueren Zeit stattgefunden hat, erfahren Sie auf den nachfolgenden Seiten zur Ortschronik.

Die Erforschung der alten Akten und Schriften im Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden ist jedoch äußerst zeitaufwendig und umfangreich.

Das Dorf Himmighofen war ,,vierherrisch‘, deren Herren zur Hälfte die Grafen von Katzenelnbogen waren. Himmighofen wird nach dem derzeitigen Kenntnisstand der Forschung zum ersten Mal im Teilungsvertrag der Grafen von Katzenelnbogen erwähnt, der im Hessischen Staatsarchiv Marburg als Bestandteil des sogenannten Hessischen Samtarchives überliefert ist und den M. Sponheimer in seiner Landesgeschichte der Niedergrafschaft Katzenelnbogen 1932, Seite 257 bis 262, veröffentlicht hat.

Im Vertrag kommt Himmighofen an drei Stellen, in der Schreibweise Himmingoben, Himmingobin und Himmengoven vor.

Der Vertrag ist nicht datiert. Nach Sponheimers Einschätzung soll er zwischen 1250 und 1260 geschlossen worden sein.

Himmighofen gehörte in der Niedergrafschaft zum Amt Reichenberg und erlebte in den nächsten Jahrhunderten den häufigen Besitzerwechsel der Niedergrafschaft mit. So kommt die Niedergratschaft durch Heirat 1479 in den Besitz von Hessen. Als 1567 Landgraf Philipp, Herrscher von ganz Hessen stirbt, wird Hessen an seine 4 Söhne aufgeteilt.

Die ehemalige Niedergrafschaft fiel an Hessen-Rheinfels. 1583 übernimmt Wilhelm von Kassel die Niedergrafschaft Rheinfels. 1648 wurde dessen Nebenlinie Hessen-Rotenburg mit ihr ausgestattet.

Auf Betreiben Napoleons wurden während der französischen Besatzungszeit, die vielen kleinen Territorialherrschaften im Taunus und Westerwald zum Herzogtum Nassau vereint. Nach dem verlorenen Krieg 1866 gegen Preußen und der gewaltigen Schlacht bei Zorn, kam das Herzogtum Nassau zu Preußen und wurde Regierungsbezirk Wiesbaden.

Aus dieser Zeit liegt ein Erlaß der Landesregierung vor, wonach unverzüglich festgestellt werden soll, welche Mannschaften und Pferde im Notfall untergebracht werden können. Bei der Kreiseinteilung vom 7.6.1865, bei der die bisherigen Ämter aufgelöst wurden, kam Himmighofen zum neugegründeten Kreis St. Goarshausen.

Nach dem Ende des II. Weltkrieges wurden die vier rechtsrheinischen Kreise mit dem Hunsrück, der Eifel, Rheinhessen und der Pfalz zum Land RheinlandPfalz zusammengeführt. Bei der Verwaltungsreform 1972 wurden die Kreise Unterlahn und der Loreleykreis, so nannte sich der Kreis St.Goarshausen zusammengelegt.

Das Dorfleben wird von den Vereinen zum Teil mitgeprägt. Zu erwähnen ist der TUS, (bestehend aus dem Tischtennis-, Damen und Herren Gymnastik, Kinderturnen und der Rhönradabteilung). Der TUS - Himmighofen feiert im Jahre 2004 sein 100 jähriges Bestehen. Der gemischte Chor besteht schon seid 43 Jahren. Die Freiwillige Feuerwehr und die Freunde der Freiwilligen Feuerwehr können im Jahr 2002 ihr 75 jähriges Bestehen feiern. Zum Schluss erwähne ich noch den DRK - Ortsverein Himmighofen, der seid 1957 besteht. Im Februar 2000 wurde der 10.000. Blutspender begrüsst.

Im Dorfgemeinschaftshaus befindet sich auch eine öffentliche Gaststätte, in der man gut Essen, Trinken und Feiern kann, die auch für traurige Anlässe genutzt wird. Auch das Amt unseres Bürgermeisters ist hier im Dorfgemeinschaftshaus eingerichtet.

Das Dorf im 19. Jahrhundert.

Wir wenden uns nun jüngere Zeiten ab 1800 zu.

Von da an sind jährliche Aufzeichnungen über Einnahmen und Ausgaben der Gemeinde vorhanden. Zwar nicht voüständig, aber man kann sich ein Bild über das Leben der Menschen unseres Dorfes im 19. Jahrhundert machen.

Wir lesen von Hungersnöten 1816/17, 1829, und 1853/54, die viele Bewohner des Dorfes veranlassten nach Nordamerika auszuwandern um dort ihr Glück zu suchen. Wir wissen wenn Gewehre für die Bürgerwehr angeschafft werden mußten, wie viel Pulver und Blei verbraucht was für den Nachtwächter bezahlt wurde und wie viel für den Feldschütz an Besoldung anfiel. Die Armenkasse mußte öfters an Geldmitteln aufgestockt werden, da es für die wirklich armen und kranken Leute nicht ausreichte. Wir können nachlesen wie viel Botengänge für die Gemeinde gemacht wurden. Für einen Botengang nach Schwalbach bezahlte die Gemeinde 5 Kreuzer. Ob der Bote die Strecke an einem Tag hin- und zurück erledigte, ist nicht bekannt. Junge Paare die heiraten wollten, mussten bei ihrer Gemeinde einen Antrag stellen und nachweisen, daß sie für ihre Nahrung aufkommen konnten. Wollte ein junger Mann oder eine junge Frau außer Landes heiraten, mußte zuerst eine Befreiung aus der Leibeigenschaft beim Landesherrn beantragt werden. Die Befreiung erfolgte nur gegen eine Gebühr.

Himmighofen von 1900 bis zum Jahr 2000.

Die Landwirtschaft von der alle Bewohner des Dorfes lebten, hat sich in den ersten 50 Jahren des Jahrhunderts nicht wesentlich verändert. Anstatt mit Sichel und Sense, wird mit der Mähmaschine und dem Selbstbinder das Getreide geerntet. Dreschflegel und Windmühle haben ausgedient. Dafür gibt es die Dreschmaschine. Auch die Betriebsgrößen sind fast unverändert. Großbauern gibt es nicht mehr. Durch Aussterben der Familie, meist aber durch die Realteilung, sind diese Höfe kleiner geworden.

Bei der Viehzählung 1953 gab es 51 viehhaltende Betriebe, an Rindvieh wurden 394, davon 127 Kühe gezählt. 36 Arbeitspferde, 85 Schafe, 653 Schweine, 1250 Hühner, 4 Ziegen, 12 Enten, 3 Gänse, und 12 Bienenstöcke, wurden gehalten.

Bei der Erhebung am 2.12.60 zeichnete sich schon der techniche Wandel ab. 35 Traktoren und ein Mähdrescher waren im Dorf. Nur noch 18 Pferde standen in den Ställen. Sie wurden nur noch zu Pflegearbeiten eingesetzt. 143 Rinder, davon 142 Kühe, keine Schafe, 619 Schweine, 1259 Hühner, keine Ziegen, 7 Gänse, 14 Enten, 5 Truthühner, keine Bienenstöcke wurden mehr gezählt.

Der Strukturwandel ging weiter. In Industrie, Handel und Gewerbe werden vermehrt Arbeitsplätze angeboten und viele kleinere Landwirte verdienen ihr Geld außerhalb. Ihre Betriebe bearbeiten sie nach Feierabend. Die Hauptlast liegt bei den Frauen. Nach und nach gaben die Nebenerwerbslandwirte, wie sie im offiziellen Sprachgebrauch, heißen, ihre Betriebe auf. Die noch bestehenden überlebenswilligen landwirtschaftlichen Betriebe, haben gewaltig in Gebäude und Maschinen investiert und stellen sich dem europäischen Wettbewerb.

Himmighofen ist kein Bauerndorf mehr. Nur noch 3 Vollerwerbsbetriebe und 5 Nebenerwerbsbetriebe, haben unmittelbar mit der Landwirtschaft zu tun.

Himmighofen hat sich zu einem modernen Dorf gewandelt. Den Obstgarten in dem die Hühner gackerten, an dem Lattenzaun, an dem die Sense und der Rechen hing, gibt es nicht mehr. Den akkurat aufgesetzten Misthaufen vor jedem Hof, auf dem der Hahn krähte, sucht man vergebens. Die Bank unter dem Walnußbaum auf dem Holzplatz, auf dem das Brennholz geschnitten und gespaltet wurde, findet man nicht mehr. Der Klang des Hammers, der in der Mittagszeit, oder abends beim Dengeln der Sensen durch das Dorf hallte hören wir nicht mehr. Die Bank vor dem Haus, auf der man nach Feierabend mit Nachbarn zusammensaß, ist den Weg alles irdischen gegangen. Diese Dorfidylle gehören der Vergangenheit an.

Die Häuser im Dorf sind meist neu gebaut und sehr gepflegt. Das Neubaugebiet das 1965 begonnen wurde und sich an der Oberstraße bis zum Kappesgarten hinzieht, ist gut in das Dorfgebiet integriert. Viel Grün an Bäumen, Sträuchern und Blumenbeeten zieht sich durch das ganze Dorf, das einen freundlichen einladenden Eindruck macht.

An Gewerbe gibt es ein Bauunternehmen, ein Frischdienst-Großhandelsbetrieb, ein Sportartikelgeschäft, einen Lebensmittelmarkt, sowie eine Bankfiliale. Auch die Kirche und eine Gastwirtschaft sind am Ort.

Himmighofen hat im Jahr 2000, 376 Einwohner und ist ein sehr lebendiges Dort, in dem für nachbarschaftliche und gemeindliche Hilfe noch eine große Bereitschaft vorhanden ist.

So wurde in den vergangenen zwei Jahren mit vielen freiwilligen Helfern das Dortgemeinschaftshaus umgebaut, auf dem angekauften Grundstück, die Gebäude zu Lagerraum ausgebaut, bei der Grillhütte am Wald Toilettenanlagen angelegt, sowie der Platz vergrößert. Die Bäume am Sportplatz und dem Kmderspielplatz, an den Feldwegen und die Hecken und Sträucher in den Wiesen, am Weg zum Friedhof, nicht zu vergessen die Streuobstwiese im Grund gepflanzt. Die freiwillige gemeinnützige Arbeit, die in unserer Gemeinde geleistet wurde und auch in erster Linie den Dorfbewohnern dient, ist mit ein Grund, daß die Gemeinde schuldenfrei ist.

© Copyright 2001/2009 Wilfried Kopper, Himmighofen / Germany. Alle Rechte vorbehalten.

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